Von seltenen Vögeln

Taubenfinsternis, Araeinsamkeit oder der unheimliche Ziegenmelker sind Titel einiger Kapitel des ungewöhnlichen und berührenden Buches «Von seltenen Vögeln». Die Autorin Anita Albus erzählt die Geschichten von ausgestorbenen und bedrohten Vogelarten. Es sind darunter kunstvolle Novellen, Naturimpressionen und Thriller, reich bebildert auch mit Gemälden von Anita Albus. Das Buch ist auch gestalterisch ein Kunstwerk. Albus ist nicht nur eine originelle Essayistin, sondern auch bildende Künstlerin, Proustspezialistin, profunde Kennerin von gotischen Kathedralen und Vogelfreundin mit praktischer Erfahrung in deren Rettung und Aufzucht.

Untergeganene, Bedrohte und Gefährdete

Untergegangen sind die Wandertauben, die in sehr grosser Zahl im 19. Jahrhundert durch die USA zogen. Der Ornithologe J. J. Audubon beschreibt das und darauf basiert auch das erste Kapitel «Taubenfinsternis» von Albus Buch. «Bald war die Luft von Tauben erfüllt, im Nu der Himmel verdunkelt wie bei einer Sonnenfinsternis. Schmelzenden Schneeflocken gleich regnet der Vogelmist auf Audubon herab. Das unablässige Schwirren der Flügel lullte seine Sinne ein.» ( S. 11). Dieser Vogelzug im Jahr 1813 dauerte drei Tage und verheerte Kentucky und weitere Regionen. Das führte zu einem tagelangen Taubengemetzel durch die betroffenen Menschen. Diese Tötungen der Wandertauben wurde oft wiederholt und durch den technologischen Fortschritt immer effizienter, das führte dazu, dass sie um 1900 ausgerottet waren.

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Spixara von Johann Baptist von Spix, via Wikimedia Commons

Das Kapitel «Araeinsamkeit» liest sich wie ein Krimi. Albus beschreibt die Geschichten von verschiedenen ausgestorbenen Ararten und den Versuchen, sie zu retten und auszuwildern. Sie schildert auch den umfangreichen und lukrativen Schmuggel von seltenen Papageienarten vor allem am Beispiel des Spixaras. Die letzten beiden Nachkommen eines Brutpaares wurden 1987 geraubt und sollten in die Schweiz teuer verkauft werden. Das wurde verhindert, aber der Handel ging weiter und einer der skrupellosesten Schmuggler war Toni Silvas. Perfiderweise war der ausgewiesene Papageienexperte Mitglied des fünfköpfigen Rettungsteams für die Spixaras und somit an der Quelle: «Auf das Erlöschen von Cyanopsitta spixii in der Wildnis folgte die Auflösung des Rettungskomitees. Drei Jahre sind seither vergangen, und noch immer warten sechzig Spixaras in diversen Volieren darauf, wie ihre Vorfahren in Scharen durch Galeriewälder zu fliegen.» (S. 69).

Artikel der FAZ über eine Ausstellung mit Bildern von A. Albus.

Anita Albus ist nicht nur sehr vielseitig in ihren Texten und ihren Bildern, sondern verbindet die französische und deutsche Kultur. Sie lebt in München und im Burgund, aufgewachsen ist sie in Deutschland, wo sie Grafik studiert und ihre künstlerische Arbeit als Kinderbuchautorin begonnen hat. Ich habe einige ihrer Bücher gelesen, die Lektüre aller lohnt sich.

Anita Albus, Von seltenen Vöglen, S. Fischer Verlag,
Frankfurt am Main 2005, 296 Seiten.
Anita Albus, Käuze und Kathedralen, S.Fischer Verlag,
Frankfurt am Main 2014, 176 Seiten.

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